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Chirurgische Behandlung von Stressinkontinenz bei Frauen

Was ist Stressinkontinenz?
Viele Frauen haben Probleme mit Harntröpfeln, wenn sie husten, niesen oder Sport treiben. Dies wird Stressinkontinenz genannt.

Wer hat Stressinkontinenz und warum passiert dies?
Dies kommt hauptsächlich bei Frauen vor und ist besonders häufig während der Schwangerschaft und nach der Geburt. Sowohl die Schwangerschaft als auch die Geburt üben eine gewaltige Belastung auf die Beckenbodenmuskeln aus und können sie erheblich schwächen und auch die Schließmuskeln beschädigen.

Außerdem können Änderungen des Hormonspiegels in Ihrem Körper nach der Menopause (den Wechseljahren) das Problem verschlimmern, ebenso andere Faktoren wie Übergewicht, chronischer Husten oder Raucherhusten.


Was sind die Beckenbodenmuskeln?
Der Boden des Beckens besteht aus Schichten von Muskeln und anderen Geweben. Diese Schichten dehnen sich wie eine Hängematte vom Steißbein im Rücken bis nach vorne zum Schambein. Der Beckenboden einer Frau unterstützt die Blase, die Gebärmutter (den Uterus) und den Darm. Die Urethra (Harnröhre), die Scheide (Geburtswege) und das Rektum (der After) führen alle durch die Beckenbodenmuskeln hindurch. Die Beckenbodenmuskeln spielen eine wichtige Rolle für die Blasen- und Darmkontrolle sowie für sexuelle Empfindungen.

Behandlungsmöglichkeiten
Glücklicherweise ist für die meisten Menschen die Antwort auf Stressinkontinenz ziemlich einfach durch

  • Training der Beckenbodenmuskeln in Vebindung mit anderen Behandlungen durch Krankenschwestern und/oder Krankengymnasten, die keinen operativen Eingriff erfordern.
  • Chirurgische Möglichkeiten
    Für eine kleine Anzahl von Frauen sind die traditionellen Verfahren nicht genug. Wenn diese Verfahren nach angemessener Zeit keinen Erfolg verzeichnen, könnten Sie sehr wohl die Möglichkeit einer Operation mit Ihrem Arzt besprechen. Natürlich ist dies nicht der erste Schritt.

Die häufigste Operationsform
Das bekannteste und am häufigsten angewendete Verfahren wird "Burchsche Kolposuspension" genannt und ist in bis zu 85-90% aller Fälle langfristig erfolgreich. Wie in den meisten der herkömmlichen Operationen, wird auch hier eine Wiege aus Fäden vom hinteren zum vorderen Ende des Blasenhalsbereiches geschaffen, ähnlich wie eine Hängematte, wobei die Enden jeweils an ein geeignetes, starkes, faseriges Gewebe genäht werden.
Diese Operation muss unter Vollnarkose durchgeführt werden, wobei ein kleiner Einschnitt unterhalb der Bikinilinie gemacht wird, für die notwendigen Nahtstiche.
Wenn Sie aus der Narkose erwachen, haben Sie in der Wunde wahrscheinlich ein Röhrchen, das die überschüssige Flüssigkeit abführt und nach etwa 24 Stunden wieder entfernt wird. Sie werden ebenfalls einen Katheter haben. Dies ist notwendig, weil sie zunächst nicht den gesamten Harn ablassen können, wodurch eine Restmenge in der Blase verbleibt, die mit Hilfe des Katheters abgeführt werden muss.
Manchmal wird auch das neuartige laparoskopische Schlüsselloch-Verfahren für diese Operation angewendet. Hierbei werden zwei oder drei sehr kleine Einschnitte von nur einem halben bis zu einem Zentimeter Länge gemacht. Dies verkürzt Ihren Aufenthalt im Krankenhaus und die Genesungszeit. Es ist jedoch bisher noch nicht erwiesen, dass die Ergebnisse einer
Kolposuspension unter Anwendung des Schlüsselloch-Verfahrens genau so gut sind wie bei einer herkömmlichen Operation.

Andere Operationsformen
Andere bewährte Arten von Operationen sind u.a. die Nadelaufhängung des Blasenhalses., die "Marshall-Marchetti-Kranz Kolposuspension" und eine Vielfalt von Schlingenverfahren. Ihr Arzt könnte empfehlen, dass eines dieser Verfahren, in Anbetracht Ihres allgemeinen Gesundheitszustandes oder besonderer Umstände und Anforderungen, für Sie besser geeignet ist als die Burchsche Kolposuspension. Ihr Arzt kann Ihnen erklären, welche Faktoren ihn dazu geführt haben, eine von diesen Operationen zu empfehlen.

Ein neues, vielversprechendes Verfahren

Eine neue Operation, die nur einen leichten Eingriff erfordert, sieht recht vielversprechend aus.
Dies erfordert die Herstellung einer Schlinge aus spannungsfreiem Vaginalband (.tension-free vaginal tape., TVT). Dieses synthetische Band wird durch die kleinen Einschnitte über dem Schambereich eingeführt und verbleibt dauerhaft in dieser Lage, wobei die Körperfasern in das Band hineinwachsen. Es bietet Unterstützung für den Blasenhals, wenn dieser durch Husten, Niesen, usw. belastet wird. Diese Operation wird im allgemeinen unter örtlicher Betäubung ausgeführt.

Einspritzung eines Schwellmittels
Ein anderes, relativ einfaches Verfahren ist die Einspritzung eines Schwellmittels, um den Blasenhals geschlossen zu halten. Für diese Einspritzungen werden synthetische Polymere oder Kollagene verwendet. Dieses Verfahren erfordert nur einen leichten Eingriff und kann unter Vollnarkose oder örtlicher Betäubung ausgeführt werden. Die eingespritzte Substanz verliert ihre Wirkung, weil sie im Laufe von wenigen Jahren langsam vom Körper absorbiert wird oder sich im Körper verteilt. Untersuchungen haben gezeigt, dass für 4 von 10 Frauen die Wirkung weniger als 2 Jahre anhält und für 8 von 10 Frauen weniger als drei Jahre. Dies Verfahren ist jedoch harmlos und kann ohne weiteres wiederholt werden.

Was Sie mit Ihrem Chirurgen besprechen sollten
Bevor Sie einer Operation zustimmen, sollten Sie mit Ihrem Chirurgen ausführlich darüber sprechen. Machen Sie eine Liste von Fragen, die Sie stellen wollen. Diese sollte einschließen:

  • warum er/sie diese bestimmte Operation für Sie gewählt hat
  • was genau mit dieser Operation verbunden ist
  • welchen Schnitt er/sie machen wird,
  • was für Nähte es geben wird,
  • und welche Narben zurückbleiben werden.
  • die Kosten der Operation
  • die Erfolgschancen der Operation
  • die Nebenwirkungen der Operation und mögliche Komplikationen
  • was für bleibende Änderungen sie für Ihren Lebensstil mitbringt, sowohl Nutzen als auch Einschränkungen.
  • wie groß die Wahrscheinlichkeit einer vollkommenen Heilung Ihrer Inkontinenz ist, oder zumindest einer wesentlichen Verbesserung.
  • Wird die Änderung dauerhaft sein?


© Dr. rer. medic. Jürgen W. H. Niebuhrr