|
Altersschwachsinn und Harninkontinenz
Warum haben Menschen mit Altersschwachsinn Blasenkontrollprobleme?
Menschen mit Altersschwachsinn leiden unter Gedächtnisschwund und
können verwirrt oder desorientiert sein. Dies kann dazu führen,
dass die für die Blasenkontrolle verantwortlichen Mechanismen versagen.
Altersschwachsinn verursacht Änderungen im Gehirn, die die Fähigkeit
einer Person beeinträchtigen kann:
- zu erkennen, dass sie Harn lassen muss;
- einzuhalten., bis sie die Toilette erreicht hat;
- die Toilette zu finden;
- zu merken, wenn die Blase vollständig entleert ist; und
- zweckmäßige Bekleidung zu wählen.
Inkontinenz kann sich in ungewohnter Umgebung oder in Phasen von Depression,
Ängstlichkeit oder Stress entwickeln oder verschlimmern. Bedenken
Sie Menschen mit Altersschwachsinn sind, genau wie andere Erwachsene
auch, anfällig für andere
Ursachen für Inkontinenz, z.B. Harnwegsentzündungen, Verstopfung,
senile Vaginitis (vaginale Reizung nach der Menopause), vergrößerte
Prostata (Vorsteherdrüse) oder die Nebenwirkungen bestimmter Medikamente.
Kann man etwas tun für Personen, die unter Altersschwachsinn
und Inkontinenz leiden?
JA! Der Altersschwachsinn mag zwar einige Behandlungen unmöglich
machen, jedoch kann vieles getan werden, um maximalen Komfort und größtmögliche
Würde zu sichern. Wenden Sie sich an den Hausarzt der betroffenen
Person, der sie möglicherweise direkt behandeln kann, oder der
sie an einen Kontinenzberater überweisen kann, für eine Kontinenz
- Untersuchung.
Was beinhaltet eine solche Untersuchung?
Die Untersuchung umfasst eine körperliche Untersuchung sowie die
Aufnahme relevanter Informationen, die Person könnte z.B.:
- vergessen, Kleidungsstücke herunterzuziehen, wenn sie auf die
Toilette geht;
- Schwierigkeiten haben, die Toilette zu finden;
- in ungeeigneten Plätzen urinieren;
- öfter als normal Harn lassen;
- Kleidung oder Bettwäsche ohne Warnung durchnässen;
- sich einnässen, wenn sie vom Stuhl oder aus dem Bett aufsteht;
oder
- unter Verstopfung, Durchfall oder Stuhlinkontinenz leiden.
Häufig ist man dafür auf den Pfleger angewiesen, der diese
wichtigen Information geben und Blasen- und Darmfunktionen aufschreiben
kann, d.h.:
- Zu welcher Zeit die Person zur Toilette geht und/oder sich nass
macht
- Wie nass die Person ist, z.B. leicht = Unterhose angefeuchtet //
mäßig = nässt durch den Rock/die Hose // schwer =
überflutet Sessel/Fußboden/Bett
- Wie oft sie ihren Darm entleert.
- Wie oft sie zur Toilette ging, bevor der Altersschwachsinn einsetzte.
Was kann man machen, um die Phasen von Inkontinenz möglichst
zu begrenzen und die Würde der Person aufrechtzuerhalten?
- Zugrundeliegende Erkrankungen wie z.B. Harnwegsentzündungen,
Verstopfung oder senile Vaginitis reagieren häufig auf Behandlung,
und die Inkontinenz kann möglicherweise abklingen.
- In einigen Situationen können Medikamente helfen, sie können
aber auch die Inkontinenz verschlimmern und die Verwirrung erhöhen.
Daher müssen medikamentöse Behandlungen genau überwacht
und abgebrochen werden, falls irgendwelche Nebenwirkungen auftreten.
- Wenn möglich, ermuntern Sie die Person, sechs bis acht Gläser
Flüssigkeit pro Tag zu trinken, es sei denn, der Arzt hat Ihnen
anderweitig geraten. Dies hilft, Harnwegsentzündungen und Verstopfung
zu vermeiden und die Blase gesund zu erhalten. Vermeiden Sie übermäßige
Mengen von Kaffee, Tee und Cola, da das Koffein in diesen Getränken
die Blase reizen und so ein häufiges und dringendes Bedürfnis
zu urinieren hervorrufen kann.
- Achten Sie auf regelmäßigen Stuhlgang und vermeiden bzw.
behandeln Sie Verstopfung.
- Bitten oder erinnern Sie die Person, in regelmäßigen
Abständen zur Toilette zu gehen, zu Zeiten, wenn sie normalerweise
gehen muss oder bevor sie sich voraussichtlich nass macht.
- Wenn die Person nicht mehr merkt, wann sie zur Toilette gehen muss,
dann sollten Sie sie in regelmäßigen Abständen zur
Toilette führen. Dies kann alle 2 bis 3 Stunden sein, abhängig
davon, wieviel sie trinkt und wann sie sich normalerweise einnässt.
Es ist möglich, dass Sie dableiben und helfen sowie die Person
daran erinnern müssen, warum sie dort ist. Häufiges auf
die Toilette gehen (z.B. stündlich) ist nicht zu empfehlen.
- Ändern Sie die Bekleidung, falls erforderlich, um es der Person
zu erleichtern, sich selbst zu helfen, z.B. Klettverschlüsse
statt Reißverschlüsse oder Knöpfe. Leicht handhabbare
Kleidung wie z.B. Trainingsanzüge können leichter ausgezogen
werden.
- Halten Sie den Weg zur Toilette frei, so dass nichts im Wege steht,
und benutzen Sie ggf. ein Nachtlicht. Sorgen Sie dafür, dass
die Toilettentüren leicht erkennbar sind.
- Die vorhergehenden Punkte mögen zwar die Inkontinenz nicht
beseitigen, können jedoch die Häufigkeit und Schwere des
Problems verringern. Die Lebensqualität der Person und des Pflegers
können darüber hinaus durch Inkontinenz-Hilfsmittel wie
Binden und Höschen erhöht werden. Möglicherweise sind
einige Zuschüsse zu den Kosten von Kontinenz-Hilfsmitteln erhältlich.
Für eine Beratung über Anspruchsberechtigung sowie die Arten
verfügbarer Hilfsmittel wenden Sie sich an eine Kontinenz-Telefonberatung.
- Ziehen Sie die Nutzung von Gemeindeangeboten in Betracht, um Ihnen
bei der Pflege einer Person mit Altersschwachsinn zu helfen, wie z.B.
Wäsche waschen, Einkaufen, usw. Hausdienste oder Bezirkskrankenpflege
werden möglicherweise in Ihrer Umgebung angeboten. Wenden Sie
sich an den Arzt, Kontinenzberater oder den Beurteilungsdienst für
Seniorenpflege, falls Ihnen das helfen könnte.
Können Medikamente bei der Behandlung von Personen, die unter
Altersschwachsinn und Inkontinenz leiden, nützlich sein?
In erster Instanz sollte der Arzt der Person alle eingenommenen Medikamente
einer Überprüfung unterziehen, da einige von ihnen möglicherweise
die Inkontinenz verursachen oder sie verschlimmern.
In einigen Fällen können Medikamente von dem Arzt der Person
verschrieben werden, um die Inkontinenz zu überwinden, z.B.:
- Antibiotika können zur Behandlung einer erkannten Harnwegsentzündung
verordnet werden;
- Hormon-Ersatz-Therapie (Tabletten, Pflaster oder vaginale Creme)
kann Frauen nach den Wechseljahren helfen, Häufigkeit und Drang
zu urinieren zu vermindern;
- Blasenentspannungstabletten können gegeben werden, um eine
reizbare Blase zu beruhigen, ihre Kapazität zu erhöhen und
dadurch die Dringlichkeit und Häufigkeit, zur Toilette gehen
zu müssen, zu verringern;
- Gelegentlich, wenn der Unterteil der Blase oder die Harnröhre
blockiert sind, können einer Person Tabletten gegeben werden,
um Ihr das Harnlassen zu erleichtern.
- BITTE BEACHTEN SIE, dass diese Medikamente Nebenwirkungen
haben können, z.B. einen trockenen Mund, Verstopfung, Gleichgewichtsstörungen
und Lethargie. Bei einer Person mit Altersschwachsinn besteht außerdem
noch die Gefahr gesteigerter Verwirrung. Der Einsatz von Medikamenten
erfordert eine sorgfältige, fachkundige Beobachtung und sollte
nur vom Arzt oder Apotheker verordnet werden.
|