|
Was versteht
man unter Inkontinenz?
Inkontinenz,
wie bitte was (?), dieser Begriff ist für die meisten unbekannt,
auch für die, die darunter leiden oder die bereits eine vorübergehende
Inkontinenz durchgemacht haben.
|
Definition
des Begriffes Inkontinenz:
Nach dem Standardisierungskommitee der internationalen Inkontinenzgesellschaft
Ist Inkontinenz: "Ein
Zustand, in dem unfreiwilliges Urinieren ein soziales und hygienisches
Problem ausmacht, das objektiv festgestellt werden kann."
Diese Definition
sagt nichts über Urinmenge und Häufigkeit. Sie kann
folglich alle Personen umfassen, denen einmal im Monat oder täglich
unfreiwilliger Urinabgang widerfährt. Die Definition grenzt
auch nicht ab, wann der Zustand für die Betroffenen zum Problem
wird.
Von Inkontinenz kann jeder betroffen werden, ganz gleich in welchem
Alter. Viele leiden seit der Geburt, einer Erkrankung oder einer
Operation an einem teilweise oder vollständigen Kontrollverlust
der Blasen- und/oder Darmfunktion. Im Erwachsenenalter leiden
sehr viele aus verschiedenen Gründen an Inkontinenzbeschwerden.
Im bundesdeutschen Durchschnitt ist jeder Dritte Mann
über 55 Jahren und jede vierte Frau in bestimmten
Situationen von einer Störung der normalen Blasen-und/oder
Darmfunktion betroffen.
|
 |
Mit zunehmendem
Alter leiden noch mehr Menschen darunter: vom 70. Lebensjahr an kennt
jeder zweite dieses Problem. Exakte Zahlenangaben sind schwierig,
da nur ungern darüber gesprochen wird. Niemand duldet ein Loch
im Tank seines Autos oder einen tropfenden Wasserhahn.
Befindet sich aber
die undichte Stelle am eigenen Körper, so wird sie wohlweislich
geheimgehalten. Man leidet lieber still, als sich helfen zu lassen.
Das Thema ist so peinlich, daß sogar die, die helfen könnten,
nicht wagen, prinzipiell danach zu fragen. Dabei
ist es wichtig, Inkontinenz nicht als eine Krankheit zu betrachten,
sondern vielmehr als ein Ausdruck dessen, daß im Körper irgend
etwas nicht stimmt. Ähnlich ist es mit dem Fieber, welches auch
keine Krankheit an sich darstellt sondern eine Reaktion unseres Körpers
ist z.B. auf eine Infektion sein.
Die Beschwerden
können unterschiedliche Schweregrade aufweisen und sich unterschiedlich
äußern. Einige Personen leiden unter häufigem Harndrang
und müssen sehr oft die Toilette aufsuchen. Bei anderen kommt der
Harndrang so plötzlich, daß sie Schwierigkeiten haben, die
Toilette noch rechtzeitig zu erreichen. Es ist auch möglich, daß
der Urin nur tropfenweise beim Wasserlassen abgeht oder im Gegensatz
dazu ständig läuft. Viele Menschen verlieren beim Husten,
Niesenaber auch beim Lachen, Weinen und Schreien kleine Urinmengen.
Für all diese
Inkontinenzbeschwerden gibt es sehr vielfältige Ursachen.
Als Beispiele seien hier erwähnt:
- Schäden
durch Erkrankungen, Verletzungen oder Operationen an den Nerven,
die die Blasen- und Darmfunktion steuern,
- Erkrankungen
im Gehirn,
- lokale
Veränderungen an der Blase,
- lokale
Veränderungen in der Harnröhre,
- lokale
Veränderungen der Prostata (beim Mann),
- lokale
Veränderungen durch eine Schwangerschaft (bei der Frau),
- lokale
Veränderungen im Darm oder an nahegelegenen Organen genannt
|
 |
Die Beschwerden können
auch durch eine Infektion oder psychische Probleme ausgelöst werden
und einmal ausgelöst, sich sogar verstärken. Manchmal werden
sie auch (vorübergehend) durch Medikamente hervorgerufen.
Um ein individuelles
Behandlungsschema aufzustellen, ist eine genaue Untersuchung und
gezielte Diagnostik für jeden Einzelfall erforderlich. In
vielen Fällen kann einer drohenden unter Umständen lang
anhaltenden Inkontinenz vorgebeugt und eine schon bestehende geheilt
oder gelindert werden.
 |
Das
tiefverwurzelte Scham- und Schuldgefühl in Bezug auf
unsere natürlichen Ausscheidungen führt dazu, daß
viele Menschen, die häufig Wasserlasen müssen oder inkontinent
sind, in eine soziale Abseitsposition geraten. Dies kann zu unnötigen
psychischen und körperlichen Störungen führen.
Das Lebensgefühl dieser Menschen wird oft nur deshalb durch
Unruhe, Schlafstörungen, Minderwertigkeitsgefühle und
Depressionen eingeschränkt, weil sie es nicht wagen, sich über
ihre Probleme auszusprechen.
|
Viele der Betroffenen
haben nicht den Mut, Freunde zu besuchen oder selbst Besucher zu empfangen,
aus Angst sich nicht in der Kontrolle zu haben. Andere trauen sich nicht
zum Einkaufen, weil es nicht genügend öffentliche Toiletten
gibt. An Reisen, Theater- oder Kinobesuche ist gar nicht zu denken. Sogar
fehlende Abfalleimer auf unseren Toiletten können für den, der
ein Inkontinenzhilfsmittel wechseln muß, zu einem großen Problem
werden.
|
Kleine Notlügen
und Ausreden komplizieren das Leben vieler inkontinenter Menschen.
Man sagt einen Ausflug ab, der zu lange dauern oder mit einer
Übernachtung verbunden sein könnte. Frauen in den besten
Jahren meiden sportlichen Aktivitäten, wenn damit eine besondere
Beanspruchung verbunden sein könnte. Andere bewältigen
aufgrund ihrer Beschwerden ihre Arbeit nicht und müssen vorzeitig
in den Ruhestand treten. Inkontinenzbeschwerden sind mit ein häufiger
Grund für eine Krankenhauseinweisung älterer Menschen.
So muß es aber nicht sein.
Inkontinenz
ist weder eine Krankheit noch gehört sie zum natürlichen
Alterungsprozess und muß deshalb auch nicht als ein
hoffnungsloser Zustand hingenommen werden.
|
 |
 |
Durch gezielte
Untersuchungen und durch Behandlung der zugrundeliegenden Ursachen
konnte vielen Menschen aus dieser psychisch und physisch belastenden
Situation herausgeholfen werden. Diese Erfolge wurden erzielt
zum einen durch eine psychische Beratung, eine medikamentöse
Behandlung, zum anderen durch Operationen oder aber
allein durch durch Sport- und Beckenbodengymnastik sowie
durch ein allgemein aktiveres Leben.
Durch all
diese Maßnahmen können die Beschwerden wesentlich gebessert
oder ganz beseitigt werden, so daß die Betroffenen ihre
Arbeit wieder aufnehmen, in die Gemeinschaft ihrer Freunde, Bekannten
und Kollegen rückgegliedert werden konnten.
Denjenigen,
die trotz Behandlung gezwungen sind, mit ihrer Inkontinenz zu
leben, stehen erprobte und gut funktionierende Hilfsmittel zu
Verfügung, so daß auch sie ein weitgehend normales
Leben führen können. In Fällen, bei denen neben
Inkontinenz noch andere Funktionsstörungen vorliegen, können
Hilfsmittel, die auch auf diese Störungen abgestimmt sind,
die Inkontinenzbeschwerden beheben oder lindern.
|
|